FASSADEN LESEN®

Spazierengehendes Seminar mit und von KJB

Wenn Häuser sprechen könnten, was würden sie erzählen? Klaus-Jürgen Bauer gibt beim Fassaden Lesen ® Einblicke in diese „Geschichten“ und vermittelt das Handwerkszeug dazu. Der jeweilige Anfang und das Ende ist beliebig, denn – egal, wo man gerade ist – in jeder Fassade kann man lesen wie in einem Gesicht. In der Psychologie kennen wir diese Strategie schon seit langem. Dort ist die Physiognomik als diejenige Fertigkeit bekannt, aus einem unveränderlichen, physiologischen Äußeren – etwa einem Gesicht – auf seelische Eigenschaften hinter diesem Gesicht zu schließen. Seit der Antike, als diese Technik als Geheimwissenschaft und als magische Aneignungsstrategie aufkam, versucht man sich an solchen Deutungen.

Eine Fassade ist sicher einfacher und unproblematischer zu lesen als ein Gesicht. Durch vergleichende Zuschreibungen, durch Ähnlichkeitsanalysen, durch tastende Interpretationen nähert man sich der versteckten Botschaft an. Das Handwerkszeug dazu kommt aus vielen unterschiedlichen Bereichen: aus der unmittelbaren Nachbarschaft des zu lesenden Objekts, aus unserem Wissen, aus der Wahrscheinlichkeitsmathematik. Natürlich entschlüsseln wir mit solch einer Technik keine Tatsachen, sondern Emotionen: unser Wissen, unsere Gefühle, unsere Bezüge konstruieren die Wirklichkeit des betrachteten Objekts.

Die moderne Neurologie benützt ähnliche Strategien des Aufbaus, der Vernetzung und der dadurch ausgelösten neuerlichen Veränderung in unseren Gehirnen mittels komplexer, neuronaler Schaltkreise, um die hochkomplizierten Arbeitsweise unseres Gehirnes besser verstehen zu lernen. Dieses intuitive Verhalten wird während eines Spaziergangs auf die Vielfalt von Fassaden angewandt. Der Ausgangspunkt und das Ende ist zufällig: Ziel ist, auf spielerische Art und Weise ein analytisches und beschreibendes Handwerkszeug kennenzulernen, das man Anwenden kann, um schließlich in Fassaden lesen zu können wie in Gesichtern. 

Rezension der i- Akademie vom 29. 1. 2012

„Die Wiener Innenstadt am Gefrierpunkt:  Klaus-Jürgen Bauer hat für die I-Akademie einen Sonntags-Spaziergang der besonderen Art gestaltet. Mit ihm haben wir uns gefragt, was uns Häuser alles erzählen würden, wenn sie denn sprechen könnten. Und trotz arktischer Temperaturen waren wir – gut vermummt – für zweieinhalb Stunden ganz Aug und Ohr.“

„Und wir wissen nun: ein Haus, eine Fassade erzählt uns immer etwas über sich, und wir können – wenn wir über geeignete Werkzeuge verfügen – diese Informationen lesen. Klaus-Jürgen Bauer hat uns wieder aufs Anschaulichste den Zusammenhang von ökonomischen Interessen, ästhetischer Gestaltung und politischer Regulierung (etwa durch die Bauordnung) demonstriert, gewissermaßen ein historisches Panoptikum.“

„Wie Klaus-Jürgen Bauer es fertig bringt, uns alle bei sibirischer Kälte  zweieinhalb Stunden mit Schauen und Staunen zu beschäftigen, auf einem Weg, den wir in normalem City-Schritt in 7 Minuten zurücklegen? 
Ist wohl seine ganz besondere Gabe des Erzählens, aber auch des Teilhaben-Lassens an der Fülle des Erschaubaren.“